Kultur+Radio=Propaganda
März 26, 2008
Morgens auf der Fahrt zum Büro mit dem Auto hören wir immer Radio, meistens „Radio Fann“ (Kulturradio). Es kommt oft sehr schöne arabische Musik dort, moderne Musik, aber mit traditionellen Elementen. Doch als ich dann mal nachfragte, was für Texte eigentlich gesungen werden, fand ich das Ganze nur noch lächerlich: Es geht meistens um das tolle Land Jordanien, das in den höchsten Tönen gelobt wird, der König wird natürlich gepriesen, die Soldaten für ihren Dienst an der Heimat gelobt etc. Die reinste Propaganda, die die Menschen auf dem Weg zur Arbeit motivieren soll. Kann man das noch ernst nehmen?
StadtgesprächII
März 26, 2008
Gestern Abend saß ich mal wieder im Taxi. Der Fahrer sprach mich auf Arabisch an und ich habe ihn verstanden! Das war ein tolles Gefühl und dann habe ich ihm noch auf Hocharabisch geantwortet und er hat es auch verstanden (Hocharabisch wird eigentlich nicht im Alltag gesprochen, dafür gibt es die verschiedenen länderspezifischen Dialekte; Hocharabisch findet nur in den Nachrichten und in der Literatur Anwendung und kommt oft als „hochgestochen“ rüber)! Und dann meinte er noch, dass es sich so schön anhören würde wenn ich Arabisch spreche. Ja ja, die Araber können einen schon angenehm schmeicheln. Und als er dann noch heraus fand, dass ich aus Deutschland komme („Germany is so beautiful!“), musste ich beim Aussteigen nicht mal bezahlen. Eine schöne freundliche Geste!
Stadtgespräch
März 19, 2008
Gestern nacht um zehn laufen wir durch das Stadtviertel Jabal Weibdeh. Die Straßen sind menschenleer und laternenerleuchtet, während wir Ausschau nach einem Taxi halten. Als dann endlich eins vorbei fährt, wir einsteigen und unseren auswendiggelernten Satz runtersagen, wo wir hin wollen, waren wir in Gedanken schon im Bett und dem Schlaf ganz nah.
Jordanier sind ja sehr kommunikative und freundliche Menschen und so ist es üblich, dass nach wenigen Sekunden gefragt wird, woher wir denn kommen: „Germany“. „Ah, Germany is so beautiful.“ Nachdem uns der Taxifahrer in seinem Land willkommen heißt, achlan wa sachlan, erklärt er uns, dass er Palästinenser sei und eigentlich aus Jerusalem komme. Das finden wir interessant und fangen mit ihm ein Gespräch an über Gott und die Welt. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn am Schluss meinte er, dass Gott über alle Menschen herrscht und es nur den einen Gott gibt, den der Juden, Christen und Muslime. Es ist ein und derselbe Gott für alle drei großen monotheistischen Buchreligionen. Das fand ich toll, dass er das dort, im Taxi, zu uns gesagt hat, denn schließlich hat er ja recht und wenn alle so denken würden, gäbe es wohl kaum religiöse Auseinandersetzungen. Die Geschichte jeder dieser drei Religionen geht zurück auf Abraham, dem Urvater der Religionen. Bei den Muslimen heißt er nur etwas anders: Ibrahim.
120 km/h
März 13, 2008
Es geht so rasend schnell. Als würde ich bei 120 km/h im Auto sitzen und an der Landschaft vorbei rasen ohne meinem Blick an einer bestimmten Sache festhalten zu können. Zisch… Schon wieder ist ein Tag vorbei. Am Ende des Tages liege ich im Bett und realisiere erst, was meine Augen wahrgenommen haben, welche Bilder, Farben, Muster; welche Töne und Stimmen ich gehört habe und welcher Geschmack mir dabei auf der Zunge lag. Vor meinem inneren Auge läuft alles noch einmal ab als hätte man beim Videorecorder die Taste Review gedrückt. Scheinbar dauert der Prozess des Ankommens noch an…
Deutscher Club Amman
März 10, 2008
Es gibt sie auch hier, die Parallelwelten. Während in Deutschland darüber hitzig diskutiert wird, Ausländer zu integrieren, mache ich die Erfahrung fremd in einem Land zu sein. Es ist, so meine ich, ein natürliches Phänomen, dass man sich als Ausländer an die Leute heftet, die die gleiche Sprache sprechen und den gleichen kulturellen Hintergrund haben. Es dient dem Wohlfühlgefühl, dass sich einstellt, sobald man Kontakt zu seiner Heimat hat. Durch Gespräche und durch mein eigenes Handeln habe ich festgestellt, dass – auch wenn man schon lange in diesem Land wohnt und vielleicht auch einen arabischen Partner hat – man einen deutschen Freundeskreis besitzt. Dadurch hat sich hier eine richtige Community entwickelt, z. B. der Deutsche Club Amman (www.dcamman.de).
Als Fremder, vor allem als fremde Frau, wird man in der arabischen Welt nicht als Gleichgesinnte betrachtet, selbst wenn man zum Islam konvertiert, ein Kopftuch trägt und – in diesem Fall – die jordanische Staatsbürgerschaft besitzt. Man hat einfach einen anderen Hintergrund und ist dadurch fremd. Es gestaltet sich auch als sehr schwierig die alten, zum Teil verkrusteten Traditionen zu brechen, das Tor zu etwas Neuem zu öffnen. Ich habe von deutschen Frauen hier gehört, dass sie versucht haben durch Gartenparties zu der Nachbarschaft Kontakt zu knüpfen. Alle sind gerne der Einladung gefolgt und es gab ein schönes Fest, doch im Nachhinein kam kaum eine Gegeneinladung, bzw. keiner kam auf die Idee, das in ähnlicher Form in einem anderen Haus zu wiederholen. Das ist sehr schade und so bleiben die Menschen, die Familien unter sich. Diese Geschichten hört man oft hier und so bald eine Sache verschwunden ist, wird sie auch gerne schnell wieder vergessen.
Vielleicht gibt uns dieser Blickwinkel einen Hinweis auf den Umgang mit Ausländern in Deutschland. Vielleicht verhalten wir uns nicht anders ihnen gegenüber. Vielleicht…
Nur aus Lilly’s Cafe erklingt leise Radiomusik
März 7, 2008
Die Straßen sind wie leergefegt. Der Trubel, der Lärm, der sich tagtäglich wie ein Wurm durch die Gassen windet ist verschwunden. Der Muezzin erhebt laut und wehklagend seine Stimme über die Stadt. Es ist Freitagmittag - Gebetszeit. Nur aus Lilly’s Cafe erklingt leise Radiomusik durch den Jabal Amman, die sich aber irgendwann verliert. Der Frisör des Viertels hat seine Ladentür geöffnet, doch niemand sitzt auf dem Frisierstuhl. Die Hauptstrasse kann man heute gemütlich überqueren, ohne Angst zu haben, überfahren zu werden. Sogar der Wind hat sich gelegt und der Dunst der Hitze breitet sich über Amman aus. “Die Ruhe vor dem Sturm”, so scheint es…
Wir laufen nach Downtown und essen eine Pizza in der Rainbowstreet. Die Wege werden in diesem alten Viertel der Stadt immer verworrener. Es geht bergauf, bergab, durch kleine dunkle Gassen zwischen engen Häuserwänden und dann steht man plötzlich in der Menschenmenge. Dort findet man sie, die Stände mit billigem Parfüm, Kitsch und Unterhaltungselektronik. Dort sind aber auch die Säcke voller Gewürze, deren Duft sich mit den Abgasen der Autos vermischt und die Juweliergeschäfte, deren Gold im Sonnenschein glitzert.
Wir laufen weiter zum römischen Amphitheater, eines der Highlights von Amman. Für 1 JD haben wir Zutritt, setzen uns auf die kühlen, schattigen Steine und beobachten die Menschen. Eine jordanische Großfamilie verbringt hier anscheinend ihren freien Tag. Die vier Kinder laufen lachend und johlend umher, spielen Verstecke, während die Mutter das Baby im Arm hält. Der Vater sitzt etwas abseits und beobachtet das Treiben entspannt.
Ich habe etwas Farbe bekommen.