1. Annes Balkon – mein Sonnenplatz und Fluchtinsel vor zu viel Besuch in der angemieteten Wohnstätte. Spartanisch eingerichtet, aber stilvoll. Mit Blumen, die leider unter der Sonne, Läusen und Mehltau leiden mussten, aber Anne päppelt sie schon wieder auf… gemütliche Stunden am runden kleinen weißen Tisch mit Kardamomtee und Kuchen von Fairuz…
  2. Patisserie Fairuz – auf dem Jabal Luweibdeh beheimatet und der beste Bäcker in Amman. Und dazu noch den liebenswürdigsten Besitzer, ein älterer ergrauter Mann, immer mit einem Lächeln und Gottvertrauen. Die Kuchen und Torten sind seine Backkunst, der Eclair unvergleichlich und die herzhaften Gaumenfreuden in Deutschland unvorstellbar – mit jebne (Käse), saate (Thymian) oder lahme (Fleisch)…
  3. die Taxifahrten im Yellow Cab – so etwas wird es in Deutschland nicht mehr geben, denn unbezahlbar und kaum so spannend: Es gibt nette, interessierte Fahrer, es gibt aufdringliche, es gibt, ruhige und es gibt die Schwerhörigen, die die Musik bis zum Anschlag aufdrehen. Bei einigen raucht man passiv mit, bei anderen bekommt man eine eigene Zigarette angeboten. Einigen muss man den Weg erklären, andere kenne die Stadt wie ihr eigenes Leben, manche sprechen nur Arabisch, die meisten auch Englisch… In jedem Fall eine aufregende Fahrt…
  4. Stau am Morgen auf dem Weg zur Arbeit – meistens sind wir viel zu müde, um uns zu unterhalten. Gewöhnlich beginnt die Tour um 7.10 Uhr und endet nach 20 Minuten. Zeit genug um wach zu werden, den Zeitungsverkäufer an der Ampel zu beobachten sowie Schulkinder in ihren grünen Uniformen auf den Bus wartend, Mütter mit Kopftuch und Mantel ins Taxi steigend, die Pferde auf einer freiliegenden Fläche grasend zwischen Wohnhäusern…und dabei immer die Musik des Morgens im Ohr…
  5. Radio Fann FM – eigentlich eine Zumutung, da meistens zu laut und albern, aber am Morgen der Wecker für die übermüdeten Gehirnsynopsen. Die Musik ist ziemlich patriotisch und militärisch, aber sie geht in Blut und Finger über, die im Takt mittrommeln. Einige wenige Textzeilen bestimmter Lieder kann ich schon mitsingen…
  6. der Spaziergang zum Institut – wie schon einmal hier berichtet, ist dieser 15-minütige Walk eine Wahre Oase der Kontemplation. Zwar kein chinesischer Garten, sondern eher eine Teerstraße in einer ruhigen Villengegend umgeben von Grün. Man läuft hauptsächlich bergab während die Sonne - bereits aufgegangen - direkt ins Gesicht scheint (und Vitamin D frei setzt). Dann laufen die Gedanken von alleine und begleiten mich ein Stück, bis ich das Institut erreiche und der Tag beginnen kann…
  7. Kamele am benachbarten Häuserblock – es gibt sie nicht nur in der Wüste, sondern auch in der Stadt. Da alle unbebauten Flächen staatlich sind und meistens noch mit Gras bedeckt, kommen Beduinen mit ihren Schaf-, Ziegen- oder Kamelherden in die Stadt, um schattige Weideflächen zu finden. Diese Herde hat sich bereits seit zwei Monaten auf der großen Wiese unweit unseres Miethauses nieder gelassen und grast mit ihre ca. 15 Kamelen nun Grashalm um Grashalm alles ab. Es ist jedes Mal ein Überraschung diese friedlichen Tiere inmitten der Häuserblöcke zu entdecken…
  8. Schwarzer Tee mit Nana und viel Zucker – sicher einfach nach zu machen, aber mitgebrachte Erinnerungsstücke aus dem Ausland erweisen sich meist als unnütz in der Heimat, denn das Drumherum fehlt. Dunkler süßer Tee mit einem Minzeblatt passt nämlich am besten zum warmen kargen Jordanien mit Staub in der Luft und Kamelen im Blickwinkel.
  9. das books@café - eine Institution in Jabal Amman, vor allem für Touristen, Ausländer und westlich orientierte Jordanier. Dieser Buchladen mit integriertem Café ist innen stilsicher hip eingerichtet, die Terrasse hat Biergarten-Atmosphäre inklusive Blick über Downtown Amman. Die Pizza ist ihr Geld wert und mindestens durch zwei teilbar und auch wenn das Bier hier teuer ist, so entschädigt die ausgelassen Atmosphäre und das gebotene Schauspiel von vermeintlich offenen und modernen jungen Menschen.
  10. die billigen DVDs – wie ich gestern erfahren habe, ist es auch hier illegal kopierte Filme zu verkaufen, doch scheinbar interessiert es niemanden. Und so sprießen die DVD Geschäfte in jedem Viertel und bieten jeden erdenklichen Film für nur 1 JD. Sogar „Keinohrhasen“ habe ich mal entdeckt. Ein wahres Paradies für Filmbegeisterte und für mich mal die Gelegenheit lang ersehnte Filme zu sehen oder irgendwelche Komödien, wofür mir das Geld zum Kinogang in Deutschland meist zu Schade ist.

 

Zehn Dinge und sicher werden sich noch mehr finden, die mir nach der Rückkehr fehlen werden, aber jedem Anfang folgt ein Ende und wie sagte Hesse so schön: „Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten…“ (aus dem Gedicht „Stufen“).

 

Bei den Beduinen

Mai 20, 2008

Warmer Wind empfängt uns als wir aus dem unbequemen, lauten Mini-Servicebus auf dem Highway nach Aqaba aussteigen. Hier, an der Abzweigung in die Wüste Wadi Rum sollen wir auf unseren Tourguide Difallah warten. Der Himmel ist bewölkt als Difallah mit seinem weißen Jeep vorfährt und wir ins mindestens 10°C kühlere Auto einsteigen.  Difallah ist Beduine und lebt vom Tourismus. Und das wahrscheinlich nicht schlecht, den für unsere Übernachtung inklusive Essen und Jeeptour zahlen wir zu dritt 120 JD. In Wadi Rum Village lebt seine Frau mit den ungezählten Kindern („I don’t count them“, sagt er wenn man nach der Anzahl der Sprösslinge fragt) in einem bescheiden Steinhaus. Doch Difallah verbringt die Tage und Nächte selten dort. In seinem kleinen Camp in der Wüste lebt er unter der Sonne und nächtigt unterm Sternenhimmel. Das Camp ist an einem Felsen errichtet und der höhlenartige Vorbau schütz bei Sonne, Wind und Regen. Der Platz ist mit Decken, Kissen, Matratzen und bunten Teppichen ausgelegt, auf der Feuerstelle wird der Tee warm gehalten und in der Nacht als Licht- und Wärmequelle genutzt. Der ganze Ort vermittelt ein Gefühl von Abenteurertum. 

Das Wadi Rum ist das größte Trockental in Jordanien und neben den unzähligen Sanddünen, prägen vor allem Felswände aus Sandstein und Granit die Landschaft. Interessant sind die vielen Inschriften und Zeichnungen, die auf die prähistorischen Kulturen in der Region hinweisen. Dort sieht man dann beispielsweise Kamele, Werkzeuge und Buchstaben eingezeichnet. In einigen Einkerbungen sind die ersten Anzeichen arabischer Schriftzeichen zu erkenne, auch die Worte Allah und Mohammad sind (je nach Interpretation) eingeritzt worden und so geht man davon aus, dass die Inschriften etwa 1000 Jahre alt sind.

Das Wadi Rum wird noch von etwa 100 Beduinen bewohnt, in der Kleinstadt am Eingang des Reservats gibt es eine Schule, verschiedene kleinen Läden und eine Polizeistation. Der anhaltende Tourismus ist die Haupteinnahmequelle der Einwohner und die Gastfreundschaft der Zeltaraber sollte man sich bei einem Aufenthalt in Jordanien nicht entgehen lassen.

 

EMAJ 2008 in Amman

Mai 12, 2008

Was passiert wenn man achtzehn junge Journalisten in einen Raum steckt und über Interkulturalität diskutieren lässt? Wahrscheinlich tauschen sie sich über ihre Erfahrungen aus und konferieren über kulturelle Entwicklungen. Was geschieht wenn die Teilnehmer aus unterschiedlichen Ländern kommen? So muss ein sprachliches Bindeglied – vornehmlich Englisch, aber zum Teil auch Arabisch, Französisch oder Deutsch – gefunden werden, die eingeworfenen Fragen sind vielschichtiger und die Diskussionen komplexer. Und wenn die Teilnehmer dann auch noch aus Europa und den MEDA-Regionen kommen? Dann ist die Wahrscheinlichkeit eines interkulturellen Dialogs besonders groß und der In- sowie Output aller Beteiligten besonders vielseitig.  

Seit dem 5. Mai findet in Amman die Euro-Mediterranean Academy for Young Journalists statt, die vom Goethe-Institut Jordanien organisiert und dem Auswärtigen Amt unterstützt wird. Die Teilnehmer werden sowohl mit der kulturellen Vielfalt der Region als auch mit den medienrechtlichen Beschränkungen bei ihren Recherchen konfrontiert, es finden Workshops zu kulturellen Stereotypen und Werten statt, einheimische Journalisten diskutieren über ihre Erfahrungen und geben Hinweise zum Umgang mit den hiesigen Behörden und die achtzehn Jungjournalisten begeben sich auf eigene Nachforschungen, um aktuelle soziale, politische und kulturelle Probleme zu behandeln. Es ist für jeden einzelnen eine Herausforderung, sich mit den gegebenen Zuständen auseinander zusetzen und dabei die eigene Erfahrungen mit den kulturellen Kenntnisse in Einklang zu bringen.

Noch bis zum 15. Mai werden die Teilnehmer aus Ägypten, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Israel, Italien, Libanon, Marokko, Österreich,  Palästina, Polen, Schweden,  Syrien, Türkei und Ungarn Fragen stellen, diskutieren, recherchieren und schreiben, um mit einem (noch) komplexeren Weltbild die Akademie zu verlassen und vielen neuen Ideen und Eindrücken weiterzuarbeiten.