Kunst ist bekanntlich Geschmackssache und über Kunst lässt sich streiten. Das sagt man ja immer so und stimmt ja auch. Doch die letzten Abende bei der Tanzwoche „Zakharef“ in Amman habe ich erlebt, dass einige Zuschauer hier keinen Sinn für neue oder wie man auch sagt contemporary art haben. Während ich als Kind kulturbegeisterter Eltern gelernt habe, anstrengende Konzerte, Theaterstücke oder Lesungen über mich ergehen zu lassen und ruhig sitzen zu bleiben, auch wenn es für ein junges unbedarftes Kind langweilig ist, stehen die Leute hier einfach auf – zum Teil schon nach zehn Minuten – und gehen einfach. Und das ist so störend und nervt mich total! Da hat man doch echt das Gefühl, hier herrscht keine Toleranz gegenüber moderner Kunst. Sobald etwas nicht seicht unterhaltsam ist, wird es als langweilig, nervig und anstrengend abgestempelt. Das ist so schade, denn es ist wirklich gut, was dort dargeboten wird, nur lassen die Menschen sich hier nicht drauf ein, weil es – ja der Araber ist von Natur aus faul – zu viel Mühe machen würde seine Gehirnzellen auf „ein“ zu stellen und sich mal ein wenig Gedanken zu machen. Aber selbst das simple da sitzen und geschehen lassen ist den meisten zu schwer. Zugegeben, ich verstehe auch nicht jede neue Form der Kunst und ja, es ist Interpretationssache. Doch dann lässt man es halt passieren, nimmt es wahr und legt es, meinetwegen, in der hintersten Ecke ab, doch man sieht es und saugt es auf, wie ein Schwamm. Nicht so hier. Die Menschen können hier gar nichts aufsagen, denn bei ihnen ist nicht der Ansatz eines saugfähigem Materials zu erkennen.
Dies soll keine Verallgemeinerung sein und nur meine Gedanken nach gestrigem Abend widerspiegeln. Ich bin dabei, wenn sich hier eine Kunstszene etablieren sollte, die die Menschen wach rüttelt aus ihrem Tiefschlaf der Gedankenlosigkeit!

Wake-up Walk

April 28, 2008

Jeden Morgen auf dem Weg zum Institut mache ich einen kleinen Spaziergang durch ein schönes ruhiges Viertel von Amman. Heidi lässt mich unterwegs am 4. Circle raus und gegen halb acht begebe ich mich auf meinen zehnminütigen Walk des Erwachens. Die Rollläden der gutsituierten Villen sind noch runtergelassen, das hausumgebende Grün der Gärten verströmt Ruhe und Gelassenheit und nur der kleine Mann wäscht fleißig das Auto des Dienstherrn  - jeden Morgen! Dann rinnt das Spülwasser die Straße bergab und begleitet mich bis zum nächsten Aufstieg des Hügels. Olivenbäume und andere Baumarten, die ich nicht benennen kann, säumen den Straßenrand. Regelmäßig sehe ich auch ein Mädchen, dass auf den Schulbus wartet, eine Gruppe von korpulenten älteren Damen, die spazieren und sich dabei kaffeeklatschmäßig unterhalten. Vorbei an zwei sich gegenüberliegenden Hotels, manchmal steht ein großer Reisebus davor, bereit sein Inneres mit rüstigen Touristen zu laden, manchmal wartet auch nur ein gelbes Taxi auf drei Asiaten, die nervös um sich schauen und dabei in ihre mobilen Telefone plappern. Männer sitzen in der Sonne und trinken Mokka, ein Wachmann steht vor einer wichtigen Institution und beobachtet meine Schritte wenn ich ihn passiere. Das letzte Stück dann noch an einer Baustelle vorbei, wo weitere Luxuswohnungen errichtet werden. Starre Männerblicke (Bauarbeiter sind doch überall gleich…) und die Musik im Ohr ganz laut! Nämlich das und das und gelegentlich auch das.       

Die Woche ist schon fast wieder zu Ende und mein Erinnerungsvermögen ist so überlastet mit aktuellen Dingen, Meetings, Projekten, Organisatorischem, dass ich die letzten Tage kaum rekonstruieren kann. Ich lebe gerade in Stunden und jeder Zeitabschnitt bringt mich weiter zum nächsten und dann könnte man ein Häkchen dahinter machen – abgeschlossen. Aber im Kopf rumort es weiter, tief unten, vielleicht im Unterbewusstsein und selbst nach 8 Stunden Schlaf wache ich erschöpft auf und realisiere, die Maschine funktioniert. Schaue ich in mein müdes Gesicht, habe ich das Gefühl, die Augenringe werden von Morgen zu Morgen länger, die Gesichtsfarbe fader. Pickel fangen wieder an zu sprießen (ein Zeichen dafür, dass ich erschöpft bin) und meine Bewegungen bei der Morgenpflege sind motorisch, automatisch, die Gedanken schon vorausschauend beim Tagesplan.
Hinzu kommt, dass es die letzten Tage heiß war, sehr heiß für meinen deutschen Tiefwetter-gewohnten Biorhythmus. Heute sind bis zu 36°C vorhergesagt. Das Laufen, Denken und Atmen fällt schwer. Meine Augen brennen, die Lider würden am liebsten zuklappen wie mechanische Puppenaugen, aus allen Poren dampft es, die Klamotten kleben an der Haut wie Pelle.
Ich habe mir vorgenommen, dass Wochenende ruhig angehen zu lassen.

Tanzwoche

April 22, 2008

Ab morgen geht es los und ich freue mich schon sehr. Vor allem auf das vom Goethe-Institut organisierte Gastspiel des Folkwang Tanzstudios, welches ich mitorganisiert habe. Ich bin zuversichtlich, dass alles gut klappt und wir viele schöne Performances hier sehen werden.

Ausstellungseröffnung

April 15, 2008

Morgen ist es soweit. Die erste Vernissage am Goethe-Institut während meines Aufenthaltes. Es gibt so viele spannende und interessante Projekte, nicht nur hier, sondern überall in Amman. Nur leider wird es zu wenig publik gemacht. Die Pressearbeit hier hat noch einiges zu bewältigen…
Oder sind die Menschen einfach desinteressiert? Oder zu faul? Das glaube ich nicht. Es gibt kulturinteressierte Menschen in Amman, das habe ich schon gemerkt, aber die arabische Mentalität der Unzuverlässigkeit kommt all zu oft zum Vorschein und viele, die einmal bei einer Kulturveranstalltung waren und enttäuscht worden sind, können sich nicht ein weiteres Mal aufraffen. Geduld muss man haben und Zuversicht… Die Kulturarbeit ist noch am Aufbau in diesem jungen Land.

Prinz Achmed

April 15, 2008

Die Abenteuer des Prinzen Achmed
weitere Infos zum Film und Musik gibt’s hier.