Die Straßen sind wie leergefegt. Der Trubel, der Lärm, der sich tagtäglich wie ein Wurm durch die Gassen windet ist verschwunden. Der Muezzin erhebt laut und wehklagend seine Stimme über die Stadt. Es ist Freitagmittag – Gebetszeit. Nur aus Lilly’s Cafe erklingt leise Radiomusik durch den Jabal Amman, die sich aber irgendwann verliert. Der Frisör des Viertels hat seine Ladentür geöffnet, doch niemand sitzt auf dem Frisierstuhl. Die Hauptstrasse kann man heute gemütlich überqueren, ohne Angst zu haben, überfahren zu werden. Sogar der Wind hat sich gelegt und der Dunst der Hitze breitet sich über Amman aus. „Die Ruhe vor dem Sturm“, so scheint es… 

Wir laufen nach Downtown und essen eine Pizza in der Rainbowstreet. Die Wege werden in diesem alten Viertel der Stadt immer verworrener. Es geht bergauf, bergab, durch kleine dunkle Gassen zwischen engen Häuserwänden und dann steht man plötzlich in der Menschenmenge. Dort findet man sie, die Stände mit billigem Parfüm, Kitsch und Unterhaltungselektronik. Dort sind aber auch die Säcke voller Gewürze, deren Duft sich mit den Abgasen der Autos vermischt  und die Juweliergeschäfte, deren Gold im Sonnenschein glitzert.

Wir laufen weiter zum römischen Amphitheater, eines der Highlights von Amman. Für 1 JD haben wir Zutritt, setzen uns auf die kühlen, schattigen Steine und beobachten die Menschen. Eine jordanische Großfamilie verbringt hier anscheinend ihren freien Tag. Die vier Kinder laufen lachend und johlend umher, spielen Verstecke, während die Mutter das Baby im Arm hält. Der Vater sitzt etwas abseits und beobachtet das Treiben entspannt.

 Ich habe etwas Farbe bekommen.

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